Musik von Isaac Schwartz und Bilder von Joan Grossmann aus den Ghettos machen den Holocaust fühlbar
Das Label Capriccio aus Frechen veröffentlicht die erste Einspielung des Konzerts für Orchester in sieben Teilen „Yellow Stars“ von Isaac Schwartz auf SACD und DVD. Das Orchesterkonzert des 1923 in Russland geborenen Komponisten Isaac Josifowitsch Schwartz ist dem Gedenken an die Holocaust-Opfer gewidmet. Die National Philharmonic of Russia spielte das Konzert unter der Leitung von Vladimir Spivakov ein. Auf der DVD ist ein Dokumen-tarfilm der amerikanischen Filmemacherin Joan Grossman mit dem Orchesterkonzert kongenial unterlegt. In sieben Teilen, vom Morgengebet über das Abendgebet mit der letzten Nacht im Ghetto bis zum Finale mit Todestanz, gewinnt die Musik von Isaac Schwartz beklemmende Intensität.
Schwartz ist einer der bekanntesten Komponisten der Schostakowitsch-Epoche. Er wohnte nach dem Zweiten Weltkrieg in Schostakowitschs Leningrader Wohnung. Dimitrij Schostakowitsch begleitete die Karriere des jungen Komponisten wohlwol-lend. Da Isaac Schwartz nicht mit dem Politbüro kooperierte, musste er sich von der Symphonik ab- und der Filmmusik zuwenden. In diesem Genre war er in Russland führend. Er komponierte u. a. die Filmmusik für „Die Brüder Karamazow“. Später wandte er sich wieder dem symphonisch-konzertanten Schaffen zu. Die Idee zu dem Konzert Yellow Stars, dass große Erfolge in den Konzertsälen Russlands feierte, kam Schwartz, als er die erschütternden Aufzeichnungen eines Gefangenen des Kaunaser Ghettos las. Die bemerkenswerte Musik in russisch-jüdischer Tradition zeigt, dass Schostakowitsch recht hatte mit seiner Prognose, dass Isaac Schwartz ein großer Musiker würde.
Das Filmmaterial für die DVD beließ Joan Grossman in der Rohfassung, um in bisher kaum gekannter Authenzität den Alltag im Ghetto zu zeigen. Die Symbiose aus Ton und Bild ist eindringlicher als oberflächlich schockierende Bilder, die auf dieser DVD nicht zu finden sind. Der Film folgt der Konzertstruktur und ist eine Kollage aus Bil-dern und Filmsequenzen des grausamen Krieges im Osten. Zitate von ehemaligen Ghettobewohnern kommentieren das alltägliche Grauen. Grossman zeigt das Leben im Ghetto als Geschichte des Aussterbens, das sich kongruent zu Schwartz’ Kompo-sition zuspitzt und im Finale das zerstörte Warschauer Ghetto vor Augen und Ohren führt. Die Einspielung auf SACD (Yellow Stars SACD 71 027) zeigt den großen, der Klassik verpflichteten Symphoniker Schwartz, aber die DVD (Yellow Stars DVD 93 508) löst durch ihre Symbiose aus Klang und Bild einen nachhaltigen Schauer aus, der das Ziel erreicht, das Grauen des Holocaust niemals vergessen zu können. E-benfalls erhältlich ist das 3-CD-Set „Verbotene Klänge“ und die gleichnamige DVD, die unter anderem Werke der Komponisten im Exil Schönberg, Krenek und Schreker enthält.
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